Am 26. März 2014 fand mit sehr guter Zuschauerresonanz die Podiumsdiskussion "Wieviel Geschichte (v)erträgt Berlin - Ideen für die Gestaltung eines zentralen Mahnmals für die Opfer des Kommunismus in Deutschland" statt. In diesem Rahmen wurden auch die Siegerentwürfe des von der Bundesstiftung Aufarbeitung ausgelobten studentischen Gestaltungswettbewerbs "geschichtscodes" 2013 zum Thema "Entwurf für ein Denkmal für die Opfer der kommunistischen Diktatur in der SBZ und DDR" vorgestellt.

 

 Der Siegerentwurf sieht einen Kubus, eine Art "Black Box", direkt neben der Thälmann-Büste im Ernst-Thälmann-Park vor. Akustisch sollen Stimmen aus dem Kubus vernehmbar sein, die verschiedene Opfergruppen symbolisieren. Die enge räumliche Konfrontation mit der Thälmann-Büste versinnbildlicht auch anhand der Person Thälmanns das System der politische Repression, das Menschen zu Opfern machte. Mag dies auch ein künstlerisch interessanter Entwurf sein, so äußerte sich doch Kritik am zu zentrumsfernen Standort. In der Diskussion meinte ein selbst ehemals politisch Verfolgter zudem, es ist den Opfern nicht zuzumuten, an einem solchen Ort, nahe dem Thälmann-Denkmal, ein Mahnmal für die Opfer des Kommunismus zu errichten.

 

Der Entwurf, der den zweiten Platz errang, sieht ein Gestaltungsensemble am heutigen Marx-Engels-Forum vor. Empfindliche Pflanzungen, die viel Pflege und sorgsamen Umgang erfordern, stehen dabei als ein Teilelement symbolisch für die stetig notwendige Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit über die Diktatur in SBZ und DDR.

 

Der dritte Entwurf ist örtlich in der Karl-Marx-Allee angesiedelt. Auf dem Mittelstreifen zwischen den stark frequentierten Fahrbahnen sollen auf einem langen Abschnitt zwei parallel verlaufende, hohe Wände entstehen. Auf deren Innenseiten werden Informationen über Opfergruppen und Repression in der SBZ/DDR zu finden sein. Der Besucher wird sich beim Gang durch das Mahnmal bedrängt von den Geräuschen des Straßenverkehrs, aber räumlich abgeschirmt und durch das parallele Wändesystem geleitet intensiv mit dem Geschilderten auseinandersetzen müssen. Auch dieser Entwurf traf teilweise auf Kritik, da der Standort zu entfernt vom Zentrum sei.

 

Außerhalb des Wettbewerbs präsentierte der Künstler und ehemalige politische Häftling Gino Kuhn einen am Spreebogen angesiedelten Entwurf. Ein möglicher Standort Spreebogen in unmittelbarer Nähe zu den Regierungsbauten fand Zustimmung. In der anschließenden Podiumsdiskussion signalisierten sowohl Dr. Philipp Lengsfeld (Mitglied der CDU/CSU-Bundestagsfraktion) als auch Hiltrud Lotze (stellv. kulturpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion) generelle Zustimmung bezüglich der Notwendigkeit der Errichtung eines Mahnmals für die Opfer des Kommunismus.

 

Ehe man in die breite Öffentlichkeit geht, müssten aber zunächst erst noch abschließend einige Fragen geklärt werden, z. B. ob der Standort unbedingt ein historisch-authentischer sein müsse und an wen sich das Mahnmal richte. Steht das Gedenken und Trauern um die Opfer im Mittelpunkt oder die Aufklärung nachwachsender Generationen?

 

Neben den politischen Akteuren plädierte auch Florian Mausbach, Initiator des Freiheits- und Einheitsdenkmals, dafür, erst die Öffentlichkeit zu suchen, wenn ein umfassendes und klares Konzept vorhanden ist. Man gefährde sonst die Chancen auf eine Realisierung des Mahnmalprojekts. Eine Fortsetzung des Diskussionsprozesses ist notwendig, die Podiumsdiskussion stellte dabei einen entscheidenden Schritt vorwärts auf dem noch anstehenden Weg dar, darin war sich ein Großteil der Anwesenden einig.