Stephan Hilsberg
Seit vielen Jahren betreibt die Initiativgruppe für ein Mahnmal für die Opfer des Kommunismus nun Lobbyarbeit, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie betreibt „Mund-zu-Mund-Beatmung“ bei den für dieses Mahnmal wichtigen Politikern, hat viele Veranstaltungen organisiert und Events. Sie macht Öffentlichkeitsarbeit in unterschiedlichster Form.
Das Ganze geht nun schon über Jahre – und in wechselnder Besetzung. Die Initiativgruppe ist eine Projektgruppe, also eine

Arbeitsgruppe. In der Tat ist es harte Arbeit, die Idee für dieses Mahnmal im politischen Raum zu verbreiten und zu verankern.

Es geht um das öffentliche Erinnern an all diejenigen, an denen im Namen des Kommunismus Unrecht verübt worden ist. Wir wollen einen Ort schaffen, wo der Opfer gedacht wird, ein Ort für sie, eine öffentliche Anerkennung und Würdigung ihres Leidens, verbunden mit der Mahnung an alle Nachgeborenen und ihrer Verantwortung für das Schicksal unseres Landes und unserer Gesellschaft bewussten Mitbürger, ihren Teil dazu beizutragen, dass Deutschland auf dem Weg der offenen Gesellschaft bleibt, und nicht wieder in die totalitären Abgründe abgleitet. Wir wollen dazu beitragen, dass unsere großen zivilisatorischen Errungenschaften, wie der demokratische Rechtsstaat, die Gewährleistung der Menschenrechte und die Gewaltenteilung bei allen notwendigen Veränderungen der Zukunft unseres Landes als unverzichtbare Institutionen in unserem Gemeinwesen verankert bleiben.
Es gibt eine inzwischen immer größer werdende Zahl an einzelnen Gedenkstätten, die an das Unrecht, für das die sich selbst so bezeichnenden Kommunisten im heutigen östlichen Teil Deutschlands verantwortlich zeichnen, erinnern. Doch es gibt leider kein Mahnmal, das dabei den Charakter und das Wesen der sich selbst so bezeichnenden kommunistischen Diktatur in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung stellt. Dabei ist diesen Kommunisten gelungen, ihr Unrecht auf so viele Menschen auszudehnen, dass leider auch die Vielfältigkeit unserer Gedenkstättenlandschaft dieses Unrecht nicht wirklich in seiner totalen Dimension abbilden kann.
Es ist nicht selbstverständlich, für diesen Gedanken im politischen Raum zu werben. Und es ist leider auch nicht einfach, in einer Gesellschaft dafür zu werben, der  gelegentlich schon die Aufarbeitung des Nationalsozialismus zu viel ist. Unserer Zeit ist das Bewusstsein ihrer Geschichte nicht eigen. Das hat unsere Gesellschaft mit einigen anderen, auch europäischen Gesellschaften gemeinsam. Doch mit dem Verlust des Bewusstseins für das Unrecht, das im Namen Deutschlands, sei es des nationalsozialistischen oder des kommunistischen Deutschlands begangen wurde, steigt die Gefahr eines Rückfalls. Wir können nicht wissen, wie dieser Rückfall aussehen wird. Mit Karl Popper bleibt uns nichts übrig als auf die Gefahren für unsere offene Gesellschaft  hinzuweisen. Dafür wollen wir das Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft an zentraler Stelle im Herzen Berlins, in Sicht- und Hörweite von Bundestag und Bundesregierung installiert wissen.
Unsere Initiativgruppe ist nicht groß. Doch Größe ist nicht Effektivität. Die Arbeit ist manchmal mühsam. Umso dankbarer sind wir für jeden hilfreichen Beitrag, sei es in intellektueller, in organisatorischer oder auch in finanzieller Hinsicht.
Wir sind dankbar, dass uns durch unsere „Mutter“, der UOKG, Mitarbeiter zur Seite gestellt wurden, ohne die uns die organisatorische Durchführung und ihre inhaltliche Vorbereitung unserer Veranstaltungen und vielen Termine nicht gelungen wäre. Melanie Dore war die erste Frau, die auf einer Stelle der UOKG saß, finanziert von der Bundesregierung, die sich viele Verdienste für unsere Arbeit erworben hat. Und ihre Nachfolgerin, Frau Anna Michels-Boger, war unermüdlich tätig, unsere Arbeit auch professionell voranzubringen. Mit beiden zusammenzuarbeiten hat uns großen Spaß gemacht. Dass wir inzwischen ein Bekenntnis des Bundestages für das Schaffen dieses Mahnmals vorzuliegen haben, ist nicht zuletzt das Verdienst dieser beiden Frauen.
Überhaupt spielen Frauen in unserer Mahnmalinitiative eine große Rolle. Aber bescheiden, wie wir sein wollen, werden wir hier keine Namen nennen. Jeder, der bei uns mitarbeitet, bringt sich ein, ist willkommen und kann segensreich wirken. Ein besonderer Dank aber gilt unseren beiden hauptamtlichen Begleitern von der UOKG: Benjamin Baumgart und Joshua Acheampong, bis vor kurzem auch Martha Wedra, die aber inzwischen eine neue Arbeit begonnen hat.
Die jetzige Phase unserer Arbeit ist nicht ganz einfach. Zwar liegt die Selbstverpflichtung des Bundestages vor, doch unsere Arbeit ist danach eigentlich sogar etwas zäher geworden. Zwar beabsichtigt der Kulturausschuss, dem für das Mahnmal im Bundestag im Prozess der Entscheidungsfindung eine Führungsrolle zukommt, noch in diesem Herbst eine Anhörung durchzuführen. Doch sie ist noch immer nicht terminiert. Zwar hat der Bundestag sich selbst verpflichtet, noch in dieser Legislaturperiode den Zug zum Mahnmal auf die Zielgerade zu bringen. Doch faktisch steht dieser Zug vor irgendeinem Haltesignal, und wir bemühen uns emsig den Schalter von Rot auf Grün umzulegen.
Wir hoffen, uns gelingt das. Aber es kann auch sein, dass die nächsten Wahlen kommen, ohne dass der Zug entscheidend weitergefahren ist. Das wird uns nicht hindern. Wir werden weiter für etwas arbeiten, das wir für sinnvoll und vernünftig halten. Und wir werden weiter Mittel und Wege finden, für die Idee des Mahnmals zu werben. Mehr können wir nicht tun, aber weniger ist es auch nicht. Wir wollen dieses Mahnmal, und wir werden es erreichen.